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  • jascha
  • 31. Mai 2021

Dirk Emig: Du wirst mir fehlen!

„Jascha, hast Du mal eben fünf Minuten?“
Ich weiß nicht wie oft Du das gesagt hast, wie oft ich diesen Satz nach meinen Sendungen überhören wollte, wie oft er mich genervt hat und wie oft ich dann aber natürlich doch in Deinem Büro saß.  Heute weiß ich, wie sehr mich diese fünf Minuten weitergebracht haben. Wie sehr mich Dein Feedback, Deine Wünsche an mich, Deine Ratschläge und letztlich Deine Kritik geprägt haben, wieviel ich von Dir gelernt habe.
Deine ausgeprägte Leidenschaft fürs Radio, die Liebe zum Detail, das Pedantische, das Festbeißen an einer Sache, journalistisches Denken, Professionalität, Gönnen können: All das hast Du in mir gefestigt. Du warst es, der mich verteidigt hat, der von mir überzeugt war, der für mich gekämpft hat.
Als Volontär, als Jungredakteur, als Frühmoderator. Fakt ist: Ohne Dich hätte meine Karriere einen anderen Verlauf genommen. Wie oft habe ich aber auch gedacht „Mensch, was bist Du doch für ein merkwürdiger Kauz“ und habe Deine Entscheidungen, Weisungen und Anmerkungen in Frage gestellt. Regelmäßig bist Du morgens in die hr-iNFO-Redaktion gepoltert und hast das Programm umgeschmissen: „Warum habt ihr das nicht gemacht? Wieso taucht diese Story nicht auf? Habt ihr den oder die schon angefragt?“ Wie oft mussten wir unsere Planungen fürs Frühprogramm in den Papierkorb schmeißen und nochmal von vorne beginnen? Und wie oft haben wir Kolleginnen und Kollegen uns deshalb genervte Blicke zugeworfen?  Ich habe es natürlich nicht gezählt.
Warum auch? Denn es gehört dazu. Eine Redaktion braucht einen wie Dich. Einen der aneckt und provoziert, und der trotzdem sein Herz am rechten Fleck hat. Einen der für sein Team kämpft und der weiß, dass er es trotzdem nicht jedem recht machen kann. Ja, auch das habe ich von Dir gelernt:
Manches muss man einfach aushalten. Dirk, seit vielen Stunden gehen mir unzählige Situationen, die ich mit Dir erlebt habe, durch den Kopf. Eine aber ist omnipräsent: Dein Freudentaumel in Hamburg!  Der Radiopreis 2016. Noch immer muss ich lachen, wenn ich daran denke wie Du ausgeflippt bist, wie nervös Du vorher warst, wie viel Du geredet hast und am nächsten Tag auf unserer gemeinsamen Rückreise im ICE nach Frankfurt tatsächlich ungefragt (!) wildfremden Menschen erzählt hast, wer wir sind und mich genötigt hast, ihnen die Trophäe zu zeigen. Selten habe ich Dich so glücklich und gelöst erlebt. Du hast Dich so sehr gefreut, dass Du sogar – entgegen Deiner Prinzipien – die Nacht zum Tag gemacht hast. Dirk, dieser Preis gehört auch Dir!
Hab Dank für alles was Du für mich getan hast und was ich von Dir lernen durfte.

Bleibt noch das Kölsch, welches Du mit mir gemeinsam in Köln trinken wolltest…

 

2 Comments

  • Katrin Schmick

    Schön, Jascha. Danke…

    31. Mai 2021 at 10:25
  • Ute Fritzel

    Was für schöne Worte! Dirk würden sie gefallen. Ich kann es noch kaum fassen, will es nicht wahrhaben. Dirk Emig, ein intellektuell großzügiger, scharfzüngiger, humorvoller, liebevoller, bissiger Mensch mit einem riesengroßen Herz, der so viel Spontanität hatte. Ein Journalist, der um die Ecke gedacht hat, der Neues ausprobiert hat, der gelitten hat an vielem, der sich freuen konnte, wie du es hier beschreibst. Ein Mann, der keinen Tag von seiner Rente hatte. Das Schicksal ist grausam und ungerecht. Ich bin froh, dass ich ihn kennen durfte. Möge deine Seele frei fliegen, lieber Dirk!

    31. Mai 2021 at 22:45

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